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Berichte über neue Therapien bei Tinnitus und Morbus Menière
Immer wieder werden die Innenohrpatienten mit marktschreierischen Titelzeilen auf neue Therapiemöglichkeiten hin veräppelt.
Anfänglich beschriebene Studienerfolge werden im Laufe der Zeit immer weniger und die neue Therapie versandet schließlich.
Interessant ist, dass einige der "neuen Therapien" durch Klangeinwirkung über das Innenohr gestartet werden.
Hierdurch sollen Gehirnfunktionen umgepolt werden.
Da die betroffenen Hörzellen als tot bezeichnet werden, erfolgt die Beschallung meist über die daneben liegenden Frequenzen und Hörzellen.
Die Heidelberger Musiktherapie beschallt dagegen in den betroffenen Frequenzen, also ganz anders als die übrigen Beschaller.
Die Lasertherapie weiß schon lange, dass die betroffenen Hörzellen keineswegs tot sind, selbst wenn sie schon viele Jahre überfordert waren,
rät aber zur Schonung der betroffenen Hörzellen.
Ein Medikament: Neramexane - Hoffnungsträger bei Tinnitus?
Während den Patienten von vielen Ärzten noch immer ein Hirnfehler eingeredet wird, forscht die Pharma-Industrie richtigerweise wieder am Innenohr.
Übereinstimmungen der Tinnitus-Ursache mit Dr. Wildens Forschungen sind erkennbar: Gleichzeitig aktivieren die Calciumionen den Hörnerv. Dieser leitet Signale an das Gehirn weiter, sodass Ohrgeräusche wahrgenommen werden, die in Wirklichkeit nicht existieren.
Stand Ende 2009: Der NMDA-Rezeptorantagonist Neramexane von Merz befindet sich derzeit in einem umfangreichen internationalen Phase-III-Studienprogramm bei Tinnitus. Nun wurden erste Ergebnisse einer deutschsprachigen Studie vorgestellt.
Prof. Dr. med. Markus Suckfüll, Oberarzt an der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde der Ludwig-Maximilian-Universität München, leitet die Studie.
Pharmazeutische Zeitung 44/2009 - Neramexane erste Ergebnisse einer deutschsprachigen Studie
Im nachfolgenden Yuku-Forum kann man viel erfahren von Teilnehmern der Studie über die gefühlten Wirkungen und Nebenwirkungen.
Das amerikanische Yuku-Forum zum Thema Neramexane mit mehreren Studien-Teilnehmern
Stand 11. Januar 2011: Die Phase-III-Studien sind veröffentlicht, zunächst in englisch.
Das Ergebnis: These results allow appropriate dose selection for further studies. Also es sind noch weitere Studien in den wirksamsten Dosierungen erforderlich.
Von den 11 Studienbegleitern waren 6 von der Firma Merz gestellt. Eine unabhängige Studie sollte sicher anders aussehen. Pawel J. Jastreboff, der Erfinder der TRT, war auch dabei.
A randomized, double-blind, placebo-controlled clinical trial to evaluate the efficacy and safety of neramexane in patients with moderate to severe subjective tinnitus
Stand Oktober 2011: Das Internet schweigt weitgehend zu Neramexane. Die Firma Merz selbst gibt Auskunft über den Stand der Studien, dass Ende 2011 wohl darüber berichtet wird.
Firma Merz zum aktuellen Stand der Neramexane-Studien
Die Klangtherapie nach dem Heidelberger Modell.
Apotheken Umschau vom 15.12.2009 - Klangtherapie nach dem Heidelberger Modell
Eine Behandlung mit Klang wird wie eine Lösung für viele Tinnituskranke vorgestellt, erweist sich aber bei genauer Betrachtung bestenfalls als Nischenlösung für leichtere Fälle von Ohrgeräuschen.
Eine Zeitung sollte hier zu mehr Verantwortung verpflichtet sein.
In dem von Prof. Bolay wissenschaftlich beratenen Artikel "Die positive Kraft der Klänge" heißt es gleich zu Beginn:
Wenn Menschen ein dauerndes Fiepen, Pfeifen oder Zirpen peinigt, sind in über 90 % der Fälle die Hörorgane in Ordnung. Fehlschaltungen im Gehirn verursachen das Dauerkonzert - bestimmte Bereiche im Hörzentrum sind ständig aktiv.
Diese Behauptung ist durch keinerlei evidente Studien belegt. Knalltraumata und steigende Lärmpegel im Umfeld der Menschen bestätigen die Erkenntnis vieler anderer Mediziner, die eine Lärmschädigung des Innenohres als hauptsächliche Ursache von Ohrgeräuschen ansehen.
Der Bericht der Apotheken Umschau zeichnet sich durch die bei diesen Zeitungen oft vorkommende Unpräzision aus. So steht dort:
Studien belegen, dass 80 Prozent der Betroffenen eine deutliche Abschwächung oder gar eine völlige Auflösung des Geräusches erleben - und das anhaltend.
Diese Aussage wird allerdings in der Studie selbst widerlegt. Dort heißt es:
Indikation: Das Heidelberger Behandlungsmodell richtet sich an Patienten mit chronischem Tinnitus ohne gravierende psychiatrische Komorbiditäten (Depression, Angststörung, organisch bedingte Schlafstörung).
Somatische Ursachen (z. B. Otosklerose, Akustikusneurinom, gravierende Halswirbelsäulenprobleme, Bluthochdruck) müssen ausgeschlossen sein.
Die Tinnitusbelastung darf nicht zur Dekompensation führen (Referenzwert: Tinnitus-Fragebogen-Score >64; Goebel u. Hiller 1998).
Zudem muss der Tinnituston musikalisch am Sinusgenerator darstellbar sein.
Patienten mit Hyperakusis empfinden die Interventionen der Musiktherapie üblicherweise als unangenehm, daher ist die Durchführung der Therapie dann nicht möglich.
Bei gravierender Hörminderung muss (wenn noch nicht erfolgt) vor Beginn einer Musiktherapie zunächst die Anpassung eines Hörgeräts abgewartet werden, da die musikalischen Stimuli von den Patienten sonst nicht akustisch verarbeitet werden können.
Hierdurch bleiben nur die leichteren Fälle, für die diese Therapie ggfs. geeignet ist.
Wenn diesen tatsächlich geholfen werden kann, so ist das natürlich positiv, löst aber nicht die wirkliche Problematik der Tinnituskranken.
Bei Springerlink: Studie über Musikbehandlung des tonalen Tinnitus
Maßgeschneiderte Musik gegen das Pfeifen im Ohr.
Ein Bericht des Spiegel vom 29.12.2009 im Spiegel Online.
Hier wird jedenfalls gleich zu Anfang der mögliche Umfang der Therapie klar dargestellt: ...der Universität Münster ist es jetzt nach eigenen Angaben gelungen, mit einer maßgeschneiderten Klangtherapie einer kleinen Gruppe von Tinnitus-Betroffenen Linderung zu verschaffen.
Es handelt sich um die gleiche Therapie, über die auch in Spiegel Online - siehe bei den Online-Zeitungen - berichtet wird.
Christo Pantev, Institut für Biomagnetismus und Biosignalanalyse der Universität Münster, Klangtherapie
Interessanterweise werden bei dieser von der Uni Münster kommenden Musiktherapie gerade die Tinnitusfrequenzen aus der Musik entfernt, während sie bei der Heidelberger Klangtherapie erzeugt und nachgesungen werden. Verblüffend!
Diese Therapie scheint mir glaubwürdiger als die Heidelberger Methode. Nur ist wahrscheinlich die Wirkung der Methode nicht wie im Bericht vermutet im Gehirn, sondern in den Hörzellen bewirkt.
Ähnlich wie bei einem verletzten Gelenk durch Ruhigstellung eine Heilung ermöglicht wird, werden durch das Auslassen der Tinnitus-Frequenzen in der Musik die geschädigten Hörzellen dieser Frequenz geschont und können sich regenerien.
HR "Alles Wissen" vom 24.3.2010 berichtet ebenfalls über die Klangtherapie aus Münster
Der Neurostimulator von Prof. Dr. Dr. Peter Tass, Direktor am Forschungszentrum Jülich und dessen Firmengründung ANM
Stand 28.2.2010: Lt. Prof. Dr. Dr. Peter Tass liegen bereits erfolgversprechende Studien vor.
Sehr geehrter Herr,
wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu dürfen, dass unser innovatives Medizinprodukt zur Therapie von chronisch-tonalem Tinnitus jetzt für die Anwendung zugelassen wurde. In diesen Tagen werden die ersten Tinnitus-Patienten mit unserem Neurostimulator, T30 CR, behandelt! Zudem haben wir hervorragende Zwischenergebnisse einer noch laufenden klinischen Studie am 7. HNO-Kongress am 28.01.2010 in Italien präsentieren können. Diese Ergebnisse zeigen, dass Lautstärke, Belästigung und Frequenz des Tinnitus bereits nach wenigen Therapie-Wochen stark reduziert werden.
Ebenfalls Stand 28.2.2010: Lt. onmeda online Forum, wissenschaftlich betreut von Privatdozent Prof. Dr. med. Markus Suckfüll, der als Oberarzt an der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde der Ludwig-Maximilian-Universität München tätig ist, sind diesem jedoch keine diesbezüglichen Studien bekannt.
Prof. Dr. Suckfüll sind keine Studien zum Neurostimulator bekannt
Das läßt die Studienerfolge doch sehr zweifelhaft erscheinen.
Da die Firma ANM zudem für die Gestaltung der Studien verantwortlich ist, genügen solche Studienergebnisse oft nicht den erforderlichen Kriterien. Das ist leider in Deutschland oft der Fall.
Inzwischen wird der Neurostimulator schon fleißig verkauft. Im nachfolgenden Forum kann man viel erfahren von Patienten, die das getan haben.
Anwenderberichte zur Behandlung mit dem Neurostimulator bei www.tinnitus.de
tinnitus.de-Forum-Mitglied Ulerich erstellte eine Übersicht der Behandlungsergebnisse
Diese sind leider nicht sehr positiv.
Frühjahr 2010, das Ende des Neurostimulators?
Wenn wir auch der DTL nur selten zustimmen können, so ist wohl die Aussage von Tamara Oetting vom DTL-Forum zum Thema "Neurostimulator ist da" die ernüchternde Wahrheit:
Tamara Oetting,Super Moderator,Beiträge: 674, Wohnort: Genshagen, 44, Dienstag, 23. März 2010, 13:12
Neue Informationen zum Neurostimulator
Der Neurostimulator, der in Jülich entwickelt und von der Firma ANM intensiv beworben wird, wurde von den Beiratsmitgliedern intensiv diskutiert. Dabei ging es um die durchgeführte Studie an Patienten. Beleuchtet wurden die angegebene Verbesserungsquote und eine mögliche Verschlechterung des Tinnitus durch diese Therapiemaßnahme. Die Firma ANM wirbt bei Patienten damit, dass das Gerät zugelassen sei, schreibt aber selbst auf ihrer Website vom 17.3.2010 folgendes: "Das Therapie-Verfahren derzeit in der klinischen Erprobung. Erste Erfahrungen mit chronisch-tonalem Tinnitus sind sehr positiv. Weitere befindet sich Indikationen werden klinisch geprüft. Die ersten klinischen Ergebnisse werden in Kürze veröffentlicht."
Die Zulassung des Gerätes laut Medizinproduktverordnung bedeutet aber nicht die Wirksamkeit des Gerätes sondern nur die Unbedenklichkeit, wenn ein solches Gerät direkt am menschlichen Körper getragen wird. Unter diese Verordnung fallen z.B. auch Hörgeräte und andere elektrische Geräte, die an Patienten eingesetzt werden.
Der Fachbeirat der DTL hat deshalb zum Neurostimulator folgenden Beschluss zur Veröffentlichung und Information unserer Mitglieder gefasst:
Für das Gerät liegt bisher kein Wirksamkeitsnachweis in Form einer klinischen Studie vor. Bisher liegen keine Publikationen in Fachzeitschriften vor. Die im Rahmen von Vorträgen vorgestellten Daten wurden im wiss. Beirat diskutiert. Die Daten reichen nicht aus, um eine gültige Aussage zur Wirksamkeit und zur Sicherheit dieser Behandlungsmethode zu treffen. Daher rät die DTL von dieser Therapie zum jetzigen Zeitpunkt ab. Sobald umfassendere Daten vorliegen, kann eine Neubewertung des Verfahrens vorgenommen werden.
Juli 2011 - 3Sat nano bei YouTube- Der Neurostimulator kritisch hinterfragt vom Cochrane Chef Dr. Antes und Dr. Hesse aus Arolsen und ein HNO-Arzt.
Hierin ist eine Beschreibung des Verfahrens der Studienveröffentlichung, die zum Eintrag in anerkannte wissenschaftliche Verzeichnisse notwendig ist.
Der Neurostimulator von ANM - Studien fehlen immer noch.
Das jährliche Budget des Forschungszentrums beträgt etwa 360 Millionen Euro. Die öffentlichen Mittel werden zu 90 % vom Bund und zu 10 % vom Land Nordrhein-Westfalen getragen.
Wenn für nur einen Bruchteil dieses Betrages eine Wirsamkeitsstudie der LLLT durchgeführt würde, wäre allen Tinnitus- und Morbus Menière-Patienten wirksam geholfen.
Neurostimulation mit TinnMusic als Medizinprodukt
Diese Therapie entspricht der maßgeschneiderten Musik gegen das Pfeifen im Ohr der Uni Münster. Also wohl ebenfalls mit der Einschränkung, ggfs. einer kleinen Gruppe von Tinnitus-Betroffenen Linderung zu verschaffen.
Wir können das nicht beurteilen. Die Hörzellen im geschädigten Frequenzbereich werden zumindest vor weiterer Musikbelastung geschont.
Die Tinnitusliga bezeichnet diese Behandlung in der Forum-Ausgabe 3-2010 als die 1000ste wirksame Therapie gegen Tinnitus, also unwirksam.
Promedicum Website
Transkranielle Magnetstimulation - Uni Regensburg
Als Erstes wird auf der home-Seite die Welt Online zitiert, dort heißt es: AUSSICHT AUF NEUE THERAPIEN FÜR TINNITUS-PATIENTEN: Im vergangenen Jahrzehnt hat die Medizin ein viel besseres Verständnis des Tinnitus erlangt. Die neuen Erkenntnisse führten zu neuen Forschungsansätzen, die auf neue und wirksamere Therapieverfahren hoffen lassen.
Leider ist jedoch zu befürchten, dass die Medizin kein besseres Verständnis erlangt hat, sondern mit der alleinigen Hirnforschung einen Irrweg beschritten hat.
Transkranielle Magnetstimulation - Uni Regensburg
Bei der Deutschen Gesellschaft für Audiologie 14. Jahrestagung „Lärm und Gehör“ Jena 9.–12. März 2011, wird ein nicht positives Ergebnis einer rTMS-Studie bei Tinnitus vorgetragen.
Fast 80 % der Vorträge der stark mit Sponsoren gestalteten Jahrestagung befassen sich mit Cochlea Implantaten und den Problemen damit.
Hierbei ist der größte Profit machbar, wenn nur Allen die Dringlichkeit einer solchen Maßnahme eingeredet wird.
Studie zur rTMS: placebo-kontrolliert, randomisiert und verblindet.
Tinnitus Research Initiative - die amerikanisch auftretende Organisation ist eine Stiftung der Uni Regensburg
Dort heißt es:Tinnitus Research Initiative is a non-profit foundation dedicated to the development of effective treatments for all types of tinnitus so that relief can be obtained by everyone who suffers from it.
In der deutschen Satzung heißt es: Die Stiftung Tinnitus Research Initiative unterstützt all diejenigen, die sich mit der Entwicklung effektiver Behandlungsmethoden von allen Arten des Tinnitus befassen, um die Lebensqualität derjenigen, die an Tinnitus leiden, zu verbessern.
Leider ist es so, dass auch die Gründung einer nicht auf Profit ausgerichteten Organisation zur Tinnitus-Forschung keine unabhängige Forschung ergibt.
Die bislang bekannten Forschungsvorhaben setzen auf der nicht bewiesenen These des Gehirns als alleinige Quelle des Tinnitus auf.
Das ist ein maßgeblicher Fehler.
Tinnitus Research Initiative
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